Die meisten Trader verlieren Geld, weil sie versuchen, jeden kleinen Rücksetzer zu shorten („Top Fishing“). Diese Lektion ist keine Fallstudie mit konkreten Kursen und Daten, sondern eine Strategie-Skizze: Wir skizzieren einen strategischen Short, der auf Wochen- und Monatscharts basiert. Wir lernen, wie wir historische Übertreibungen erkennen und – noch wichtiger – wie wir sie mit dem richtigen Instrument und Risikomanagement handeln, ohne pleite zu gehen, bevor der Crash kommt.
Wir betrachten einen Index (z.B. DAX), der ein neues Allzeithoch markiert hat. Doch der Blick unter die Motorhaube zeigt Warnsignale.

Während der Preis neue Hochs macht, schafft es der RSI (Relative Strength Index) nicht mehr in die überkaufte Zone (>70). Er bildet tiefere Hochs.
Statt des Standard-MACD nutzen wir den PPO (Percentage Price Oscillator) oder den relativen MACD. Warum? Bei Indexständen von über 20.000 Punkten verzerren absolute Punktwerte das Bild. Der PPO zeigt die prozentuale Schwungkraft.
Wohin kann der Preis fallen? Wir nutzen keine willkürlichen Zahlen, sondern die Mathematik der Märkte.
| Schritt | Beschreibung |
|---|---|
| 1. Berechnung | Messen der gesamten Aufwärtsbewegung des letzten großen Zyklus (z.B. vom Corona-Tief bis zum aktuellen Allzeithoch) |
| 2. Retracement-Zonen | Eine Korrektur um 50 % dieser Strecke (das 50 %-Retracement) ist in großen Zyklen nicht ungewöhnlich. Davon zu unterscheiden ist die „Golden Pocket“: Sie bezeichnet die Zone zwischen dem 61,8 %- und dem 65 %-Retracement, in der Korrekturen besonders häufig enden (siehe Fibonacci-Lektion). |
| 3. Beispiel | Anstieg: ca. 16.000 Punkte → Korrekturziel: -8.000 Punkte vom Top |
| 4. Zielzone | Der Bereich des alten Ausbruchsniveaus (Support-Retest) |
Hier scheitern die meisten Privatanleger. Sie kaufen kurzlaufende Knock-Out-Zertifikate mit hohem Hebel. Das Problem: Eine Seitwärtsphase oder eine kurze Bärenmarktrallye zerstört diese Position, bevor der Crash überhaupt beginnt.
Kurzlaufende KO-Zertifikate mit hohem Hebel → Position wird zerstört, bevor der Crash kommt
Statt zu zocken, investieren wir in eine Position mit langer Laufzeit (18–24 Monate).
| Parameter | Mögliche Ausgestaltung |
|---|---|
| Instrument | Put-Option oder Optionsschein |
| Strike | Am Geld (At the Money) oder leicht im Geld |
| Laufzeit | Mindestens 1,5 Jahre in die Zukunft |
| Vorteil | Zeit für den Markt, die These zu bestätigen. Geringer Zeitwertverfall (Theta). Seitwärtsphase aussitzbar. |
Totalverlust: Fällt der Markt bis zum Laufzeitende nicht unter den Strike, verfällt die Option wertlos – der gesamte Einsatz ist verloren. Auch lange Laufzeiten schützen nicht davor, sondern nur vor dem vorzeitigen Ausstoppen. Emittentenrisiko: Optionsscheine und Zertifikate sind Schuldverschreibungen der ausgebenden Bank; bei deren Insolvenz droht ein Totalverlust unabhängig von der Marktentwicklung. Börsengehandelte Optionen (z. B. an der Eurex) werden über eine zentrale Clearingstelle abgewickelt und haben dieses Emittentenrisiko nicht. Hinzu kommen Zeitwertverfall, Volatilitätsrisiken und teils weite Geld-Brief-Spannen.
Wie viel Kapital setzen wir ein?
| Szenario | Ergebnis |
|---|---|
| A: Wir liegen falsch | Der Markt bricht auf neue Hochs aus. Wir verlieren 1–2%. Das ist verschmerzbar („Versicherungsprämie“). |
| B: Wir haben recht | Durch die Hebelwirkung der Optionen vervielfacht sich der kleine Einsatz. |
Einordnung – und kein Widerspruch zu 13.4: Ein Cash-Anteil von 80–90 % ist ein Extremszenario für Anleger, die die Zykluswende-These mit hoher Überzeugung vertreten – keine allgemeine Regel und keine Empfehlung. Die Fallstudie 13.4 (Corona-Crash) hat gezeigt: Warnsignale bedeuten „Vorsicht und Absicherung“, nicht „alles verkaufen“. Für die meisten Anleger heißt die angemessene Reaktion auf ein Monats-Verkaufssignal: Stops nachziehen, Positionsgrößen reduzieren, Cash-Quote schrittweise erhöhen und den Put als Versicherung mit kleinem Einsatz betrachten. Wer 2022 komplett ausgestiegen wäre, hätte die Erholung ab Oktober 2022 verpasst.
„Bullenmärkte nehmen die Treppe nach oben. Bärenmärkte nehmen den Fahrstuhl nach unten. Aber man darf den Knopf für den Fahrstuhl nicht zu früh drücken.“
Mit diesem Kurs haben Sie die Werkzeuge erworben, um:
Sie haben das Fundament für eine erfolgreiche Karriere als Technischer Analyst gelegt. Der nächste Schritt: Üben, üben, üben!
Analysieren Sie täglich Charts, führen Sie ein Trading-Journal und verfeinern Sie Ihre Strategie kontinuierlich.
Risikohinweis: Diese Lektion dient ausschließlich der Bildung und stellt keine Anlageberatung und keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Der Handel mit Aktien, ETFs, Derivaten und Kryptowährungen ist mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Beispiele und Musterlösungen sind vereinfacht und rückblickend ausgewählt; vergangene Kursverläufe sind keine Garantie für zukünftige Entwicklungen. Treffen Sie Anlageentscheidungen nur auf Basis eigener Prüfung.