NVIDIA ist das Paradebeispiel für einen Relative-Stärke-Breakout kombiniert mit einem fundamentalen Megatrend. Diese Fallstudie zeigt, wie technische Analyse die Einstiege hätte identifizieren können – und wo Warnsignale zu Fehlsignalen wurden.
Aktiensplit 10:1 (10. Juni 2024): Am 10. Juni 2024 führte NVIDIA einen Aktiensplit im Verhältnis 10:1 durch. Alle Kurse in dieser Fallstudie sind splitbereinigt, also auf die heutige Aktienzahl umgerechnet. In älteren Charts, Artikeln und Analysen finden Sie daher zehnfach höhere Werte (z. B. 950 $ statt 95 $ für das Hoch vom März 2024).

Nach dem Tech-Crash 2022 notierte NVIDIA bei etwa 11 $ (splitbereinigt). Die Aktie hatte vom Allzeithoch bei rund 34,60 $ (November 2021) über 65 % verloren.
NVIDIA bildete ein höheres Tief bei 14 $ (vs. vorheriges Tief bei 11 $) und durchbrach die fallende Trendlinie.
| Indikator | Signal | Interpretation |
|---|---|---|
| Trendlinien-Bruch | Bullisch | Ende des Abwärtstrends |
| Volumen | Ansteigend | Institutionelle Akkumulation |
| RS vs. QQQ | Dreht nach oben | Outperformance beginnt |
| MACD | Bullisches Crossover | Momentum dreht |
Einstiegspunkt: 14,50–15 $ nach Trendlinien-Bruch mit Bestätigung
Die Q1-Earnings am 24. Mai 2023 waren der Katalysator. NVIDIA meldete Rekordzahlen dank KI-Nachfrage.
Lektion: Bei Aktien mit extremer relativer Stärke (RS > 95) können Earnings-Gaps Fortsetzungssignale sein, nicht Verkaufssignale.
Nach dem Earnings-Gap konsolidierte NVIDIA rund fünf Monate zwischen 40 und 50 $; im Oktober 2023 fiel die Aktie noch einmal bis in den Bereich von 40 $ zurück.
Zweiter Einstieg: 50,50–51 $ beim Breakout aus dem Handle – der Ausbruch gelang erst Ende November 2023 und wurde im Januar 2024 endgültig bestätigt
| Warnsignal | Beobachtung |
|---|---|
| RSI Divergenz | Preis macht höheres Hoch, RSI nicht |
| Volumen | Abnehmend bei neuen Hochs |
| Abstand zur 200-MA | Über 100% – extrem überdehnt |
| Euphorie | Medien: „NVIDIA kann nur steigen“ |
Was danach geschah: Die Warnsignale führten im April 2024 nur zu einer Korrektur von rund 20 %. Anschließend stieg NVIDIA weiter und erreichte bis November 2024 neue Hochs bei rund 148 $ (splitbereinigt) – mehr als 50 % über dem „Top“ vom März. Die RSI-Divergenz war hier ein Fehlsignal: Sie warnte vor einer Korrektur, nicht vor dem Ende des Trends. Wer im März 2024 komplett ausgestiegen ist, hat den größten Teil des weiteren Anstiegs verpasst.
Diese Fallstudie zeigt: Die Kombination aus Relative-Stärke-Analyse, klassischen Chartmustern und Indikator-Divergenzen liefert handelbare Signale – aber auch Warnsignale können Fehlsignale sein. Über das Ergebnis entscheidet das Trade-Management: Teilverkäufe und Trailing-Stops statt Alles-oder-nichts-Entscheidungen.
Risikohinweis: Diese Lektion dient ausschließlich der Bildung und stellt keine Anlageberatung und keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Der Handel mit Aktien, ETFs, Derivaten und Kryptowährungen ist mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Beispiele und Musterlösungen sind vereinfacht und rückblickend ausgewählt; vergangene Kursverläufe sind keine Garantie für zukünftige Entwicklungen. Treffen Sie Anlageentscheidungen nur auf Basis eigener Prüfung.