Der März hat den Märkten etwas genommen, das in langen Aufwärtsphasen fast unbemerkt entsteht: Selbstverständlichkeit.
Da war sie wieder: die Unsicherheit. Öl steigt. Die Inflation zieht an. Die Notenbanken wirken nicht mehr wie ein verlässliches Sicherheitsnetz, sondern wie Institutionen, die selbst erst wieder neu rechnen müssen.
Der DAX hat sich zum Monatsende zwar wieder in den Bereich von rund 22.500 Punkten vorgearbeitet, liegt damit aber weiterhin deutlich unter seinem Hoch vom Januar. Für viele ist das noch eine normale Korrektur.
Für mich nicht.
Ich bin seit rund sechs Monaten bearish für den DAX. Und der März war der erste Abschnitt, in dem sich diese Sicht nicht nur argumentativ, sondern auch im Chart durchgesetzt hat. Was sich verändert hat, ist nicht allein der Kurs. Es ist die Struktur.
Über Jahre hinweg war das Bild eindeutig: Der Markt lief in einem stabilen Aufwärtstrend, getragen von steigenden gleitenden Durchschnitten und einer sauberen Folge höherer Hochs und höherer Tiefs. Rücksetzer wurden gekauft, Schwäche war temporär, und der übergeordnete Trend blieb unangetastet.
Dieses Muster ist gebrochen.
Der Rückgang im März hat den DAX unter seine kurzfristigen und mittelfristigen Durchschnittslinien gedrückt und erstmals seit langer Zeit die Dynamik aus dem Markt genommen. Besonders auffällig ist dabei der Bereich um den mittelfristigen Durchschnitt, der zuvor als Unterstützung fungierte und nun von oben getestet wird. Genau an solchen Punkten entscheidet sich, ob ein Markt stabil bleibt oder in eine neue Phase übergeht.

Ein zweiter Punkt ist das Volumenprofil. Im Chart sieht man sehr deutlich, dass sich im Bereich zwischen etwa 23.000 und 25.000 Punkten ein massiver Volumenknoten gebildet hat. Das ist kein neutraler Bereich. Dort sitzen viele Marktteilnehmer, die auf höheren Niveaus gekauft haben und nun im Verlust sind.
Jede Bewegung zurück in diese Zone trifft deshalb auf Angebot. Nicht aus Überzeugung, sondern aus dem Bedürfnis heraus, Positionen „bei Null“ zu reduzieren. Das erklärt, warum Erholungen aktuell deutlich schwerer laufen.
Gleichzeitig fehlt unterhalb des aktuellen Niveaus eine vergleichbare Volumenstruktur. Das bedeutet nicht, dass der Markt zwingend fallen muss. Aber wenn er fällt, fehlt ihm zunächst ein stabiler Unterbau. Bewegungen können dann schneller und dynamischer werden, als viele erwarten.
Momentum und Marktstruktur sprechen gegen eine Wende
Auch das Momentum spricht eine klare Sprache. Der Oszillator im unteren Bereich des Charts liegt im negativen Bereich und zeigt bislang keine Divergenz, die auf eine nachhaltige Bodenbildung hindeuten würde. Was wir sehen, ist keine Stabilisierung, sondern eher eine erste Abwärtsbewegung, gefolgt von einer technischen Gegenreaktion.
Genau hier liegt der entscheidende Punkt:
Die aktuelle Erholung wirkt auf den ersten Blick konstruktiv. Sie ist es aber nur dann, wenn sie in der Lage ist, die verlorene Struktur zurückzuerobern. Solange das nicht geschieht, bleibt sie aus technischer Sicht eine Gegenbewegung innerhalb einer neuen, fragileren Marktphase.
Typisch für solche Phasen ist ein klarer Ablauf: ein erster Impuls nach unten, eine anschließende Erholung und danach die Frage, ob sich ein tieferes Hoch (Lower High) ausbildet. Genau dieses Muster entscheidet jetzt über den weiteren Verlauf.
Die relevanten Zonen im April
Die relevanten Zonen sind dabei klar definiert:
- Der Widerstand: Oberhalb des aktuellen Niveaus liegt der Bereich zwischen etwa 23.500 und 24.500 Punkten. Dort verdichten sich gleitende Durchschnitte, frühere Unterstützungen und das angesprochene Volumencluster. Wird dieser Bereich sauber zurückerobert und gehalten, wäre das ein Signal dafür, dass der Markt seine Struktur wieder stabilisieren kann.
- Das bearish Scenario: Bleibt die Bewegung jedoch darunter und dreht erneut nach unten, entsteht sehr wahrscheinlich ein klassisches Lower High. In diesem Fall wäre der Weg nach unten offen, zunächst in Richtung der Zone um 21.000 Punkte. Darunter nimmt die Markttiefe sichtbar ab, was Bewegungen zusätzlich beschleunigen kann.
Im langfristigen Bild ist der Aufwärtstrend damit noch nicht vollständig gebrochen. Aber er ist angeschlagen. Und genau das ist die Phase, in der die meisten Fehlinterpretationen entstehen. Was lange funktioniert hat, wird fortgeschrieben. Rücksetzer werden als Chancen interpretiert, obwohl sich das Verhalten des Marktes bereits verändert hat.
Fazit: Der April als Monat der Einordnung
Der April wird deshalb kein Monat der großen Bewegung, sondern ein Monat der Einordnung. Er wird zeigen, ob der Markt die verlorene Struktur zurückgewinnen kann oder ob der März nur der erste sichtbare Schritt in eine neue Phase war.
Ich bleibe bearish, solange der Markt nicht zeigt, dass er wieder in der Lage ist, Stärke aufzubauen. Nicht in einzelnen Tagen, sondern in seiner Struktur.
Denn am Ende entscheidet nicht die Richtung einer Bewegung, sondern die Qualität des Trends, der dahintersteht. Und genau das wird sich im April klären.

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